Integration im Quartier

Die Themen, welche die befragten Quartierbewohner/innen bewegen, sind in den beiden Quartieren Matthäus und St. Johann im Grossen und Ganzen dieselben. Als positiv nehmen sie insbesondere folgende Aspekte wahr: Die grosse Vielfalt der Menschen und das Quartier als Lernfeld für Toleranz; die Auseinandersetzungen zwischen sehr unterschiedlichen Menschen und die grosse Lebendigkeit des Quartiers; die erfolgten Aufwertungsmassnahmen im Bereich von öffentlichen Plätzen, Parkanlagen und sozialen Institutionen, insbesondere im Matthäus; das Gefühl von Heimat und Vertrautheit im Zusammenhang mit dem Quartier; das relativ gute Freizeitangebot für Familien und Kinder; die Offenheit der Menschen und das Nicht-Idyllische des Quartiers als Chance, um sich mit schwierigen Lebenslagen fruchtbar auseinandersetzen zu können; die gute Erreichbarkeit von „allem“, was man/frau im Alltag braucht; Läden, Imbissstuben und Quartierbeizen als Sozialorte mit Begegnungscharakter; das relativ starke Gefühl von Sicherheit; der St. Johannspark im St. Johann und der Rhein im Matthäus als besonders wichtige Orte der Begegnung, der Erholung und des Rückzugs „für alle“.

Als störend empfinden die befragten Quartierbewohner/innen vor allem folgende Aspekte: den Autoverkehr in kleinen Quartierstrassen, die dadurch als Begegnungsraum der Bewohner/innen nahezu wegfallen; den zu geringen Austausch zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und das Neben- anstatt das Miteinander; den beschränkten Freiraum, insbesondere für Jugendliche; den Wegzug von Bewohner/innen, die mit dem Quartier stark verbunden waren; den teilweise schlechten Ruf der Quartiere, welcher nicht unbedingt der Wahrnehmung der Bewohner/innen entspricht, aber auch das „Schönreden“ des Matthäus und St. Johanns.

Insgesamt spielen das St. Johann und das Matthäus bei der sozialen, kulturellen und identifikativen Integration ins nähere soziale Umfeld und darüber hinaus für die Mehrheit der befragten Personen eine wichtige Rolle, und sie bieten dafür auch gute Voraussetzungen. Es gibt Bereiche, die dabei besonders wichtig sind und in denen ein zusätzliches Potenzial besteht: Die Vielfalt in den Quartieren ist eine wichtige Ressource und braucht für ihren Erhalt neben einem offenen Umgang mit Neuem auch das Beibehalten von und eine Auseinandersetzung mit „Rändern“ (dieses Thema kam im St. Johann besonders stark zur Sprache); der Erfolg von Mitwirkungsmöglichkeiten für die Quartierbevölkerung hängt davon ab, ob sie als solche wahrgenommen werden; die aktive Einbindung älterer Menschen und alteingesessener Quartierbewohner/innen in Integrationsprozesse stellt eine grosse Chance für den Austausch im Quartier dar; Begegnungsorte, welche nicht als das definiert und institutionalisiert sind, können eine wichtige Bedeutung im Alltag der Quartierbevölkerung haben, so zum Beispiel eine Bushaltestelle, ein Laden, eine Strasse oder ein Kiosk; die Niedrigschwelligkeit von Angeboten im sozialen Bereich ist eine zentrale Herausforderung für entsprechende Institutionen und Organisationen, wobei die Quartiersebene dafür relativ gute Anknüpfungspunkte bietet; die Bereitschaft vieler Bewohner/innen, sich für ihr Quartier und ihre soziale Umgebung zu engagieren, ist gross und will wertgeschätzt sein.

Schlechte Voraussetzungen bei der strukturellen Integration (v.a. rechtlicher Status, Bildung, Berufschancen und politische Partizipation) erweisen sich als sehr negativ für den Einzelnen. Der Einfluss des Quartiers auf diese Dimension von Integration ist jedoch verhältnismässig gering.